Projekttag „Von Behindertensportler*innen lernen!“ am Hölty

Wie bewegt man sich eigentlich in einem Rollstuhl? Wie wirft man aus dem Sitzen auf einen Korb? Und wie spricht man Menschen mit Behinderung im Alltag eigentlich richtig an, wenn man Hilfe anbieten möchte? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs am Montag, den 15. Juni 2026, beim Projekttag „Von Behindertensportler*innen lernen!“ am Hölty-Gymnasium.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Stefan Lahme erwartete die Anwesenden ein abwechslungsreicher Vormittag zwischen Gesprächen und sportlicher Selbsterfahrung. Zu Gast waren Jan Sadler, Rollstuhlbasketballer bei Hannover United, Mitglied der deutschen Nationalmannschaft und Bronzemedaillengewinner der Paralympischen Spiele 2024 in Paris, Phillip Schorp, Bundesligaspieler und ehemaliger Spieler der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft sowie NDR-Moderator Andreas Kuhnt.

In der Mensa führte Andreas Kuhnt durch eine lebendige Podiumsveranstaltung. Dabei wurde schnell deutlich, dass es an diesem Vormittag nicht nur um Sport, sondern vor allem um Perspektivwechsel ging. Kuhnt erzählte auch sehr persönlich, wie ihn das Thema Menschen mit Behinderung schon früh begleitet hat. Sein Vater war kriegsversehrt und lebte lange Zeit mit Prothesen. Damit wurde deutlich, dass Fragen von Teilhabe, Alltag, Normalität und Respekt nicht abstrakt, sondern oft unmittelbar mit Lebensgeschichten verbunden sind.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand Jan Sadler. Offen, anschaulich und mit viel Ruhe gab er Einblicke in seinen sportlichen Werdegang, seine Schulzeit, seinen Alltag und seine Erfahrungen als Leistungssportler. Besonders spannend war für viele Schülerinnen und Schüler, dass Rollstuhlbasketball ein ausgesprochen inklusiver Sport ist. Durch ein Punktesystem können Spielerinnen und Spieler mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen gemeinsam antreten, auch Menschen ohne Behinderung dürfen in Deutschland mitspielen. Was zunächst nach einer komplizierten Regel klingt, wurde im Gespräch zu einer einfachen Botschaft: Entscheidend ist nicht, was jemand vermeintlich nicht kann, sondern wie ein Sport so gestaltet wird, dass möglichst viele mitmachen können.

Auch die Fragen aus dem Jahrgang zeigten, dass das Thema viele beschäftigt. Beispielsweise wurde gefragt, was man falsch machen könne, wenn man einen Menschen mit Behinderung anspreche oder Hilfe anbiete. Jan Sadler machte deutlich: Fragen ist grundsätzlich gut, wichtig sei aber, die Antwort zu akzeptieren. Hilfe anzubieten sei freundlich, ungefragt einzugreifen oder automatisch davon auszugehen, dass jemand etwas nicht allein bewältigen könne, sei dagegen problematisch und übergriffig.

Parallel zur Podiumsveranstaltung wurde es in der Sporthalle deutlich bewegungsintensiver. Unter der Leitung von Phillip Schorp lernten die Schülerinnen und Schüler zunächst den Basketballrollstuhl kennen und versuchten sich im Vorwärtsfahren, Rückwärtsfahren, Bremsen, Drehen, Lenken, Dribbeln, Passen und schließlich Werfen. Was von außen vielleicht leicht aussieht, erwies sich schnell als koordinativ anspruchsvoll und körperlich anstrengend. Spätestens beim abschließenden Rollstuhlbasketballspiel wurde deutlich, wie viel Kraft, Technik und Übersicht dieser Sport verlangt. Dass in der Nachbesprechung am nächsten Tag von Muskelkater die Rede war, dürfte schon nach dem Workshop niemanden überrascht haben.

Ein herzlicher Dank gilt dem Behinderten-Sportverband Niedersachsen e. V. für die Durchführung des Projekts sowie der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, der Stiftung Sparda-Bank Hannover und der Heiner-Rust-Stiftung, deren Förderung den Projekttag möglich gemacht hat.

Text und Fotos: Andreas Hidasi