Den Schauspielerinnen und Schauspielern der Theater-AG Aufwärts des Hölty-Gymnasiums war die Erleichterung und die Freude in den Gesichtern anzumerken, als sie sich nach der Premiere des Stückes „Jeanne oder die Lerche“ von Jean Anouilh an neuer Wirkungsstätte auf der kleinen Bühne des Altbaus am Gymnasium in Hambühren dem Urteil des Publikums stellten und ihnen der verdiente Applaus zuteilwurde.
In diesem Augenblick schien ihnen bewusst geworden zu sein, dass die nach dem Umzug des Gymnasiums nach Hambühren neue, kleine, aber auch ein wenig improvisierte Wirkungsstätte im Altbau der Schule den Ansprüchen des Stücks gerecht geworden war, dass sie mit der Stückauswahl, die einen historischen Stoff mit wichtigen aktuellen Bezügen aufgreift, ein gutes Händchen bewiesen hatten und dass ihr Schauspiel überzeugt hatte. Da schien ordentlich Dampf auf dem Kessel gewesen zu sein.
Und dieser hatte sich zuvor über 50 Minuten lang im Schauspiel des Ensembles über die französische Nationalheldin mit viel Spielfreude, Kraft und Energie entladen. Das Stück „Jeanne oder die Lerche“ von Jean Anouilh (aufgeführt in einer gekürzten Fassung) erzählt die Geschichte Jeanne d’Arcs von ihrem Aufbruch aus ihrem Heimatdorf bis hin zu ihrem Prozess, der zu ihrer Hinrichtung führt. Der Verfasser Jean Anouilh zeigt dabei in seinem Stück Jeanne d’Arc nicht als entrückte Heldin, sondern als eine nahbare menschliche Figur, die offen und warmherzig wirkt, beherzt und umtriebig ihre Ziele verfolgt und trotz aller Widerstände mutig zu ihren persönlichen Überzeugungen und Wahrnehmungen gegenüber den familiären, kirchlichen und politischen Autoritäten ihrer Zeit steht. Damit greift das Stück eine Aktualität auf, in einer Welt, in der zunehmend mehr autoritäre Regime an Einfluss gewinnen.
Darstellerin Finja Suhr (Jahrgang 11) gelang es mit ihrem Schauspiel genau diese Figurenzeichnung der Jeanne in all ihren Facetten glaubwürdig zu transportieren und so die Aktualität des Stücks zu verdeutlichen. In nichts nach standen ihr die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler an ihrer Seite, die ihre Rollen dem Publikum glaubhaft darboten und diese leidenschaftlich mit Leben füllten. So überzeugte Rieke Olbrich (Jahrgang 12) als zwiegespaltener Bischof Cauchon, der auf der einen Seite Vertreter der Kirche war, auf der anderen Seite Sympathien für Jeanne hatte, während Annika Dintner (Jahrgang 12) den pragmatischen Erzbischof passend interpretierte. Die fanatischen Ansichten des Inquisitors verkörperte Eli Bickmeyer (Jahrgang 12) überzeugend. Eine Portion Humor brachte Theo Zierenberg (Jahrgang 12) als tragisch schwacher und unsicherer französische Dauphin Charles mit ein und die Rolle des ehrgeizigen Höflings La Trémouille füllte Helena Rathman (Klasse 9) mit Leben. In der Rolle des englischen Grafen Warwick überzeugte Marie Brüttinger (Klasse9). Victor Hülße (Jahrgang 11), Emma Winterberg (Jahrgang 12) und Ida Rollert (Jahrgang 11) bewiesen im Stück ihre Wandlungsfähigkeit. Gleich mehrere Rollen galt es für sie zu meistern. Unterstützung erhielt das Ensemble schließlich noch von der ehemaligen Höltyanerin Hosuh Liventsova, die den Hauptmann Beaudricourt spielte. Überraschend war das Ende des Stücks. Es zeigte nicht den Feuertod des Mädchens, wie es die Geschichte und der Verlauf des Stücks eigentlich vermuten ließ. Dieses erschien den Figuren des Stücks für das Ende der Protagonistin unangemessen. Jeanne durfte sich stattdessen in der Schlussszene als stolze Nationalheldin zeigen, die der Krönung des Dauphins beiwohnte.
Das Stück kam mit wenig Kulisse und wenig Requisiten aus, die eigens geliehenen Kostüme passten gut zu den Rollen und auch die Bühne erfüllte ihre Funktion. Ein in sich abgerundetes Stück endete schließlich unter den standing ovations des Publikums, das sich im Schlussapplaus vor der erleichterten Schauspieltruppe des Höltys von den Plätzen erhob. Diese bedankte sich schließlich noch von ganzem Herzen bei ihrer AG-Leiterin Daniela Bunkenburg für ihre unablässige und tatkräftige Unterstützung während der Planung, Organisation und Durchführung des Stückes. Rundum hatte man das Gefühl, dass die Theater-AG nun auch an der neuen Wirkungsstätte in Hambühren angekommen war.
Text und Fotos: Michael Rücker

