Drei Tage Berlin, vier Klassen, sechs Lehrkräfte, unzählige Schritte und vermutlich etwas zu wenig Schlaf: Vom 11. bis zum 13. Mai begab sich der gesamte 11. Jahrgang des Hölty-Gymnasiums auf eine politisch-historische Exkursion in die Hauptstadt.
Nach der gemeinsamen Busfahrt ging es dabei nicht etwa erst gemütlich ins Hotel, sondern direkt in das dicht gesteckte Programm. Erst am Abend wurde schließlich das Hotel am Tiergarten in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm bezogen, welches einen idealen Ausgangspunkt für das Eintauchen in den Großstadttrubel bot.
Da die Gesamtgruppe mit fast 90 Schülerinnen und Schülern für viele Einrichtungen zu groß gewesen wäre, wurde der Jahrgang in zwei Gruppen aufgeteilt, die die verschiedenen Programmpunkte im Rotationsprinzip besuchten. Auf dem Programm standen dabei unter anderem die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, das Bundesministerium der Verteidigung, ein geführter Spaziergang durch das Berliner Regierungsviertel sowie der Besuch des Bundesrats.
Eindrucksvoll war der Besuch der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Zwischen historischen Dokumenten, persönlichen Schicksalen und den Erinnerungen an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur wurde deutlich, unter welchem persönlichen Risiko Menschen Widerstand leisteten und welche Konsequenzen oppositionelles Handeln im Nationalsozialismus haben konnte.
Der Besuch im Bundesministerium der Verteidigung bot spannende Einblicke in aktuelle sicherheitspolitische Fragen. Für einige Schülerinnen und Schüler durchaus überraschend war dabei, dass sich auch der referierende Vertreter der Bundeswehr kritisch gegenüber einer Rückkehr zur früheren Form der Wehrpflicht äußerte.
Der geführte Spaziergang durch das Regierungsviertel führte vorbei an zentralen Orten deutscher Politik, vom Bundeskanzleramt über verschiedene Ministerien und das ARD-Hauptstadtstudio bis hin zum Reichstagsgebäude und natürlich dem Brandenburger Tor, und vermittelte dabei einen direkten Eindruck vom politischen Zentrum Deutschlands.
Für viele Schülerinnen und Schüler zählte das Planspiel im Bundesrat am Folgetag zu den Höhepunkten der Fahrt. In einer simulierten Bundesratssitzung wurde ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung diskutiert, konkret ging es um ein mögliches Social-Media-Verbot bis zum 16. Lebensjahr. Dabei schlüpften die Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichste Rollen: Es gab Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, eine Bundeskanzlerin beziehungsweise einen Bundeskanzler, Delegationen der einzelnen Bundesländer, ein Präsidium zur Sitzungsleitung und sogar Schriftführerinnen und Schriftführer. Nach Redebeiträgen, Diskussionen und Änderungsanträgen wurde schließlich ganz offiziell abgestimmt. Die Debatten wurden dabei teilweise erstaunlich engagiert und zugleich bemerkenswert sachlich geführt. Besonders erfreulich war, dass die Höltyanerinnen und Höltyaner von der betreuenden Mitarbeiterin des Bundesrats ausdrücklich Lob für die hohe Qualität vieler Redebeiträge und Diskussionen erhielten, da ein vergleichbares Niveau dort nach eigener Aussage keineswegs selbstverständlich sei.
Am Dienstagnachmittag kamen schließlich beide Gruppen wieder zusammen und besuchten gemeinsam den Deutschen Bundestag. Nach einem Vortrag auf der Besuchertribüne des Plenarsaals über Geschichte, Aufgaben und Arbeitsweise des Bundestags folgte der Besuch der berühmten Glaskuppel des Reichstagsgebäudes. Mit Audioguide ausgestattet konnten die Schülerinnen und Schüler Berlin aus luftiger Höhe betrachten, natürlich inklusive des mittlerweile obligatorischen Selfies aus der Kuppel.
Auch der Abend wurde individuell gestaltet. Die Schülerinnen und Schüler konnten aus verschiedenen von Lehrkräften begleiteten Angeboten wählen: einem Besuch des Berliner Ensembles mit Shakespeare und Frau Gehlhoff-Hilgers, dem englischsprachigen Film „Nürnberg“ mit Frau Janecki, dem Musical „Wir sind am Leben“ im Theater des Westens mit Herrn Winkler, einem sportlich geprägten Team-Event im Game-Show-Stil mit Frau Wickbold und Frau Will oder einem Kabarettabend in den „Stachelschweinen“ mit dem Stück „Ich hab noch einen Tesla in Berlin“ gemeinsam mit Herrn Hidasi.
Den Abschluss der Exkursion bildete auf der Rückfahrt der Besuch des „Waldes der Erinnerung“ der Bundeswehr. Die besondere Gedenkstätte erinnert an im Dienst verstorbene Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Zwischen Bäumen, Gedenktafeln und persönlichen Erinnerungsorten entstand ein stiller und nachdenklicher Abschluss der Fahrt. Gerade angesichts aktueller Kriege und Konflikte wurde vielen hoffentlich noch einmal bewusst, welche Bedeutung Frieden, Sicherheit und internationale Verantwortung besitzen.
Text: Andreas Hidasi
Fotos: Katharina Wickbold

